Das Ding mit dem Verurteilen

Gerade in der frommen Szene hört man die folgende Ermahnung ziemlich häufig:

"Du sollst aber niemanden verurteilen, das hat Jesus auch nicht gemacht! Nur Gott darf richten!"


Tschja. Was ist dran? Was, bitteschön, bedeutet denn eigentlich "verurteilen"? Hat Jesus wirklich nie jemanden verurteilt? Ist urteilen etwas anderes als verurteilen?


Damit werde ich mich in der nächsten Zeit beschäftigen.


Fangen wir doch heute mal damit an rauszufinden, was es für einen Unterschied macht, ob ich das Verhalten oder die Leistung eines Menschen "verurteile" oder "bewerte"?!

Das Leben anderer zu bewerten, gehört wohl oder übel zum Leben dazu. Eltern achten darauf, wie sich ihre Kinder verhalten und sie sind dafür verantwortlich, falsches Verhalten zu korrigieren und ihren Kinder beizubringen, sich richtig zu verhalten. Lehrer bewerten schulische Leistungen und sollten Schüler fördern und unterstützen. 

Etwas bewerten, benoten oder korrigieren bedeutet jedoch nicht, jemanden zu verurteilen. Auch das Wörtchen verurteilen ist etwas anderes, als jemanden beurteilen. Ganz schön tricky.


Ich verstehe unter beurteilen, dass ich versuche, jemanden einzuschätzen und mir ein Urteil zu bilden – was positiv oder negativ ausfallen kann.

Verurteilen ist in der Regel eine negative und unfaire Kritik am anderen, ohne dass der die Chance hat sich zu erklären, da das Urteil ja ohnehin schon steht. – Da wären wir dann auch schnell beim oft unfairen Vorurteil.


Wir alle verurteilen hin und wieder andere Menschen, manchmal bewusst, andere Male eher unbewusst. Vielleicht tun wir es aus dem Grund, um den anderen zu helfen und sie auf die richtige Spur zu bringen, sind aber zu unsensibel, die richtige Worte zu finden. Wir wollen ihnen mal so richtig die Leviten lesen, aber dieser Schuss geht meistens nach hinten los. 

Einen Menschen zu verurteilen, macht diesen wehrlos, klein, traurig oder wütend und schenkt ihm alles andere als Einsicht und den Mut zur Veränderung. Ein verurteilender Mensch zeigt mit seinem Verhalten dem anderem nicht: "Du bist mir wichtig – ich möchte Dir helfen!".


Mutter Teresa sagte mal:

"Wenn du Menschen verurteilst, hast du keine Zeit mehr, sie zu lieben."

Was für eine wichtige Feststellung! 

Ein Mensch merkt oft ganz genau, ob er geliebt wird und ob es jemand gut mit ihm meint oder ihm nur hämisch sagen will: "Hähä! Ich weiß es besser!" 

Verurteilen bedeutet auch, sich gar nicht erst die Mühe zu machen und sich die Zeit zu nehmen, um dem anderen zum ersten Schritt der Veränderung zu helfen – nämlich der Einsicht, dass es überhaupt ein Problem gibt. Andere zu verurteilen heißt oftmals, sie zu zwingen, ihre Fehler einzusehen.

Die meisten Menschen werden das nicht positiv aufnehmen und sich angegriffen fühlen. Ihre natürliche Reaktion besteht dann darin, dass sie sich verteidigen und zurückschlagen oder auch still und leise sich zurückziehen. Zwang ist selten ein guter Ratgeber … 


Menschen leben aus ganz verschiedenen Gründen so, wie sie leben. Das darf man niemals vergessen!



Es gibt ein altes Sprichwort: 

"Verurteile keinen Menschen, bevor du nicht eine Meile in seinen Schuhen gegangen bist."

Unser Wissen über andere ist begrenzt.
Du weißt oftmals nicht, was dem anderen in seiner Vergangenheit zugestoßen ist, was er erlebt hat, wie er sich heute fühlt und mit welchen Problemen er gerade kämpft. Wenn Du das im Hinterkopf behältst und daran denkst, bevor Du redest, dann wird es Dir vielleicht gelingen nicht so schnell zu verurteilen, sondern aus Liebe zu handeln.


Oftmals verurteilen wir andere auch, um uns selbst besser zu fühlen. Menschen verbal niederknüppeln, verleiht ein Gefühl der Überlegenheit. Es gibt da auch so einen Volkssport, nennt sich "Klatsch und Tratsch". Dabei amüsiert man sich über die Fehler und Schwächen von mehr oder weniger prominenten Mitbürgern und kann sich damit wunderbar von den eigenen Problemen ablenken.


Übrigens: Ob man nun anderen seine Meinung ins Gesicht sagt oder angenehmerweise lieber hinter deren Rücken drüber redet, kommt aufs Gleiche raus: Menschen fühlen sich oft besser, wenn sie andere verurteilen. Denn so konzentriert man sich weniger auf seine Probleme, seinen Standpunkt und verleugnet die eigenen Schwächen. Doch genau dieser Punkt, kann die Lösung sein – um zu kapieren, dass man andere nicht verurteilen muss …. 

 

Fortsetzung folgt  …

Und dann schauen wir auch mal, was es damit auf sich hat:

"Urteilt nicht über andere, damit Gott euch nicht verurteilt. Denn so wie ihr jetzt andere verurteilt, werdet auch ihr verurteilt werden. Und mit dem Maßstab, den ihr an andere legt, wird man euch selber messen." – Matthäus 7, 1 – 2 HFA

 

Grüßle 
Mandy

 


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Dieser Beitrag wurde am 14. April 2014 veröffentlicht.

14 Gedanken zu „Das Ding mit dem Verurteilen

  1. Karin

    Wir Menschen neigen ja gerne dazu uns ein Urteil zu bilden, ist ja auch ok. so. Doch schnell wird aus Urteil bilden verurteilen. Ich muß da gerade mal zurückdenken, ich glaube es war mein 16ter Geburtstag. Mein Bruder schleppte einen Kumpel an, nennen wir ihn mal Willi. Boch, dieser Willi sah aus wie der letzte Assi. Ich habe meinen Bruder natürlich sofort zusammengeschissen…. was soll der Typ hier , guck mal wie der aussieht ect. Er passte nun wirklich nicht in meine Geburtstagsfeierbild. Was ich nicht wußte, dieser Willi kam gerade von der Arbeit, hatte noch nicht geduscht sich nicht umgezogen und mein Bruder hat ihn einfach angeschleppt. Er wollte erst gar nicht , hat sich dann aber überreden lassen.  Ich habe Willi wohl gefallen und so kam er dann des öffteren vorbei und wir wurden Freunde.Er war ein ganz feiner Kerl, wie ich beschämt feststellen durfte.

    Eigentlich urteilte und verurteilte ich  in Gedanken ganz schön vor mich hin, auch heute bin ich nicht frei davon. Halt Mensch. Wenn ich manchmal so überlege das Gott alle Menschen liebt denke ich: Karin du bist ein ganz schöner Arsch. Bedingungslose Liebe ohne zu verurteilen, bedingungslose ANNAHME. Ist ja schon hammer nä? Wenn wir mit dem Auto unterwegs sind und mal in der Schlange oder an Ampel warten müssen schaue ich mir gerne die Menschen an, oft denke ich dann. Hey, Jesus liebt diesen Typen da genauso doll wie dich und den und den und den auch. Wie unfähig bin ich doch ohne Gottes liebe zu leben, fair zu leben, ok, annäherd fair , oder doch fair. Nö, ich denke das ich hin und wieder auch nicht fair bin und urteile und verurteile, auch wenn es nur in Gedanken ist.

    Ich poltere gerne mal los, *herzallerliebstlächel* auch habe ich  "oft" Recht wenn ich poltere, nur hinterher denke ich immer: mensch, mensch, mußte das sein, dein Gegenüber ist doch genauso fehlerhaft wie du. Ja, ja, so ist das wenn der Mund schneller reagiert als der Kopf.

    Auf meiner Visitenkarte habe ich auf die Rückseite drucken lassen:

    Fremde Fehler beurteilen wir wie Staatsanwälte,

    die eigenen wie Verteidiger.

    Ja, ich möchte immer wieder daran erinnert werden das ich nicht besser bin als andere. Ich mache vielleicht andere Fehler als du, doch ich mache welche . So wie ich nicht verurteilt werden möchte , so möchte ich andere auch nicht verurteilen.  Ich denke da hat Jesus noch ganz schön malloche mit mir.

    Können wir das schaffen? Ja wir schaffen das!!!

     

    Glück auf!

     

     

     

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    1. Tanja

      Liebe Karin,
      herzlichen Dank für Deinen sehr ehrlichen Text. Du hast mich gerade gedanklich abgeholt mitgenommen und mir unglaublich gut getan.
      Möge Gott Dich segnen!
      LG, Tanja

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    2. Nicole

      Kenn ich irgendwie, ich bin am 18 ten Geburtstag meines Bruders in ne Kneipe gegangen, da saß n Typ total desinteressiert und ablehnend ! Den fand ich so doof… jetzt sind wir verheiratet ;)

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  2. Jule Pape

    Ein wichtiges Thema. Mir fällt auf, dass ich mich über einige Personen besonders oft aufrege, weil sie Macken haben, die mich auf die Palme bringen. Aber man sagt auch: "wir regen uns am meisten über die Dinge auf, die unsere eigenen Schwächen wiederspiegeln " und so werde ich dann meist seeehr kleinlaut

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  3. Anke

    Liebe Mandy, dein Beitrag kommt heute richtig passend. Ich wurde heute mal öffendlich in Facebook nieder gemacht. Und das nur, weil ich meinen Glauben öffendlich auslebe. Also halt christliche Losungen, auch mal etwas von dir und Fotos like und auf mein Profil teile. Diese Person hat mir dann etwas geschrieben, was mich zu tiefst verletzt hat. Es gibt keinen Gott. Wo ist Gott, das er soviele Halunken gut Leben lässt. Und bei einem anderen Spruch meinte sie nur noch, noch schwärzer geht es nicht, ihr kommt das kotzen und sie ist sich sicher, das ich eine Muslimen geworden bin. Das hat erstmal gesessen. Ich weis, sie ist sehr Krank, deshalb versuche ich es nicht so an mich ran zu lassen. Aber sie hat es öffentlich gemacht und das geht garnicht. Ich lese fast täglich, wie sie Über Asylbewerber und alles schimpft, habe dazu nie etwas gesagt. Aber heute konnte ich nur noch eins tun, sie blockieren. Auch um mich selber zu schützen. Zum Glück gibt es menschen, die mich verstehen und mich dann wieder ermutigen. Das beste was mir heute jemand schreiben konnte ist, das er garnicht wußte, das ich eine Philosophin bin.Das hat mich dann wieder in meinem Glauben gestärkt, das richtige zu tun. :-). Sicher, auch ich ertappe mich auch immer wieder dabei, das es mir schwer fällt, nicht über Menschen zu Urteilen und in Gedanken zu verurteilen. Bei manchen fällt es einem wirklich schwer, dann auch noch zu vergeben. Aber ich arbeite an mir. Ich möchte einfach auch etwas dazu beitragen, die Welt ein wenig besser zu machen. Und wie geht das am besten, mit der bedingungslosen Liebe. 

    Mandy, du bist offen, ehrlich und autentisch. Mach weiter so. Du bist eine echte Bereicherung. :-)

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    1. Klaus

      An Anke: Deine Antwort ist schön, es freut mich sie zu lesen und es ist gut die Worte weiter zugeben. Für Dich aus:   Joh. 12, 46 ff ~~ Ich bin gekommen in die Welt ein Licht, auf daß, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe. Und wer meine Worte hört, und glaubt nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht gekommen, daß ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt selig mache.  Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, der hat schon seinen Richter; das Wort, welches ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage. Denn ich habe nicht von mir selber geredet; sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll. Und ich weiß, daß sein Gebot ist das ewige Leben. Darum, was ich rede, das rede ich also, wie mir der Vater gesagt hat.  

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  4. Olaf

    Dazu fällt mir der Fall Petrus / Johannes ein:

    Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus lieb hatte, der auch beim Abendessen an seiner Brust gelegen und gesagt hatte:Herr, wer ist’s, der dich verrät? Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus:Herr, was wird aber mit diesem? Jesus spricht zu ihm:Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!

    (Joh. 21,20-21)

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  5. Irmtraud

    Urteilen ist etwas anderes als verurteilen! Zum Beurteilen sind wir sogar aufgefordert ( weiß grad nicht, wo es steht) aber verurteilen oder richten bleibt Gott überlassen.

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  6. Tom

    Hm…heute morgen noch gelesen (vielen Dank an dieser Stelle dafür!)…vielleicht zwei kleine Geschichten dazu: a) gestern in der Stadt gewesen…Fußgängerzone. Gott zeigt mir oft Menschen (seit ich drauf achte und bereit dafür bin), denen ich ein paar Euro geben…manchmal sind es Leute die aktiv Schnorren, manchmal jemand der total unscheinbar in einer Ecke sitzt. Gestern ein tolles Erlebnis dabei gehabt: Ich bin extra in der breiten Fußgängerzone auf den Mainstream gewechselt, aber mein Blick fällt nach ein paar Metern auf diesen unscheinbaren Mann, der hinter den Stühlen eines Straßencafes an der Wand lehnt und zu Boden blickt…eigentlich ein sehr ungünstiger Platz zum Betteln. Ich sehe ihn und zücke mein Portemonnaie, ganz klar, das ist mein heutiger "zehnter"! Gehe zu ihm hin, sag "hallo" und "bitte" und lächel ihn und bekomme folgende Antwort: "Gott segne dich!" – Ich war so platt, dass ich glaubte, mich zu verhören! Ich frage noch einmal nach, nein ich habe mich nicht verhört! Und ich gebe den Segen gerne zurück und sage ihm, dass Gott ihn gesehen hat. Wie oft denken wir "der alte Penner – selber Schuld"? b) Wir haben hier in meiner Stadt einen "komischen" Christen…der pflastert die Straßenränder mit "Jesus lebt"-Plakaten, stellt sich schon mal als Sandwichman mit Schildern auf eine Straßeninsel und heute kam ich an einem Anhänger vorbei auf dem groß "Jesus lebt" steht. Er sieht zu der seltsamen Aktion auch noch etwas kauzig aus. Was heute anders war? Ich hatte einen Beifahrer im Auto, den ich schon mitgenommen hatte, der wohnt in der Nachbarschaft von diesem Mann und sprach mich auf den Anhänger und seine Botschaft an! Und ich konnte ganz einfach sagen: Hey, weißt du, ich glaube genau an das, was da auf dem Wagen steht! Aber ich kann dich total verstehen, denn ich habe mich auch immer gefragt, ob diese seltsam anmutenden Aktionen eher Menschen von Gott abschrecken oder tatsächlich was bewegen. Ich sag euch was: Auch wenn diese Aktion vielleicht schräg ist…nutzt Gott sie irgendwie doch! Cool, oder?

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