Noomi – die Geschichte einer Flucht / Teil 2

Kurzer Rückblick von Teil 1:

Mutter Noomi flüchtete auf Grund einer Hungersnot mit ihrem Mann und den zwei gemeinsamen Söhnen aus Israel nach Moab. Der Vater starb früh. Die Söhne heirateten zwei Moabiterinnen. Doch leider starben auch bald die beiden Söhne. Zurück blieben Noomi und ihre Schwiegertöchter Rut und Orpa. Als Noomi erfährt, dass die Hungersnot in Israel vorbei ist, zieht sie zurück in ihre Heimat. Rut, die ihr mittlerweile wie eine eigene Tochter ans Herz gewachsen ist, kommt mit ihr. Doch als Ausländerin und noch dazu Witwe hat sie es in Israel nicht leicht. 

Noomi erlebte schwere Zeiten. Als verheiratete Frau und fürsorgliche Mutter, in gesicherten Verhältnissen, hatte sie Israel verlassen und nun kehrte sie arm und ohne Familie zurück. Sie war unglaublich traurig.

 

Heute nun zum 2. Teil der Fluchtgeschichte von Noomi und Rut:

Noomi verstand Gott nicht und doch hat sie ihn nicht verflucht und sich in ihrem Schmerz von ihm abgewandt. Dennoch hatte sie aus den Augen verloren, dass Gott ihr jemanden zur Seite gestellt hat: Rut. Diese Frau war ein Geschenk! 


Wie wichtig ist es, uns trotz miesen Zeiten bewusst zu machen, dass es immer
etwas oder jemanden gibt, wofür wir dankbar sein können?! 


Rut gab Noomi Liebe, Kraft und Hilfe. Beide hatten ihre Partner verloren, konnten sich deshalb nur zu gut verstehen und nachempfinden wie es dem anderem geht. 

Als die Beiden in Noomis Heimatstadt Bethlehem ankamen, hatte gerade die Gerstenerntzeit begonnen. Erntearbeiter schnitten die Ähren ab und banden sie zu Bündeln zusammen.

Laut Gesetz sollten die Ecken der Felder nicht abgeerntet werden, auch das Getreide, das bei der Ernte auf den Boden fiel, sollte liegen bleiben, damit arme Leute es aufheben und sich davon ernähren konnten (3. Mose 19,9 / 23,22 / 5. Mose 24,19).

Dieses Gesetz sollte die Armen versorgen und die Landbesitzern daran hindern, Unmengen an Getreide zu horten.
 

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Eines Tages sagte die Moabiterin Rut zu ihrer Schwiegermutter: »Ich will hinausgehen und Ähren sammeln, die auf dem Feld liegen geblieben sind. Ich finde schon jemand, der freundlich zu mir ist und es mir erlaubt.« »Geh nur, meine Tochter!«, sagte Noomi. - Rut 2, 2 GNB


Gesagt. Getan. Rut ging auf das Feld und sammelte von morgens bis abends auf, was sie finden konnte. Wie es der Zufall wollte gehörte dieses Feld Boas. Noomi kannte Boas, denn er war auch ein Verwandter ihres verstorbenen Mannes. Als Boas Rut traf, sagte er zu ihr:


"Geh nicht auf die anderen Felder, um Getreide aufzusammeln, geh nicht weg von hier. Schließ dich den Frauen an, die auf meinem Feld arbeiten. Achte darauf, auf welchem Teil des Feldes sie ernten, und folge ihnen. Ich habe den jungen Männern gesagt, dass sie dich nicht belästigen sollen. Und wenn du Durst bekommst, kannst du zu den Gefäßen gehen und von dem Wasser trinken, das sie aus dem Brunnen geschöpft haben.« »Warum bist du so freundlich zu mir?«, fragte Rut. »Warum beachtest du mich, obwohl ich eine Ausländerin bin?« »Man hat mir genau erzählt, was du nach dem Tod deines Mannes alles für deine Schwiegermutter getan hast«, antwortete Boas, »und dass du deinen Vater und deine Mutter und deine Heimat verlassen hast, um zu einem Volk auszuwandern, das du vorher nicht gekannt hast. Der Herr, der Gott Israels, unter dessen Flügeln du Zuflucht gesucht hast, soll dir das vergelten und dich reich dafür belohnen.«  - Rut 2, 8-12


Was mir an Rut gefällt ist, dass sie aktiv blieb und die Initiative ergreift! 

Sie schämte sich nicht für ihre Bedürftigkeit. Sie ging den ganzen Tag aufs Feld um zu arbeiten. Das war sicher kein leichter Job und wahrscheinlich auch erniedrigend. Denn als Ausländerin musste sie sicher so manchen blöden Spruch anhören. Doch ihr war klar, dass Gott auf diese Art für sie sorgt.

Vielleicht wartet Gott manchmal auch in unserem Leben darauf, dass wir den ersten Schritt machen, um ihm zu zeigen, wie wichtig uns etwas ist. Rut erledigte die Feldarbeit ohne zu motzen. Sie arbeitet hart, war liebevoll, freundlich und auch mutig. Damit prägte sie sicher auch ihr Umfeld. Die anderen Feldarbeiter beobachteten "die Fremde" sicher ganz genau.


Wie wichtig ist es, dass wir leben was wir glauben?
Jeder von uns hat eine Vorbildfunktion. Positive Vorbilder fallen auf.


Auch Boas war ein freundlicher und großzügiger Typ – für einen Geschäftsmann keine Selbstverständlichkeit. Er erlaubte Rut nicht nur die übrig gebliebenen Ähren einzusammeln, sondern bat seine Arbeiter sogar, einen Teil des Getreides liegen zu lassen, wo sie arbeiteten. Damit gab er mehr als er laut Gesetz geben musste – er gab aus seinem Überfluss.

Wenn es uns möglich ist, dann sollten auch wir mehr geben, als das Minimum das verlangt wird. Gott wird es segnen, davon bin ich überzeugt.


Und Noomi? Sie fand immer mehr aus ihrer Trauer und Verzweiflung heraus und stellte fest:

"Der Herr segne Boas! Jetzt sehe ich, dass er uns nicht im Stich gelassen hat … " - Rut 2, 20


Einige Zeit später … 

Ja, es ist wie im Film: Es kam der Tag an dem Boas und Rut heiraten. Ihre Liebe und ihr Glück wurde gekrönt, als sie einen Sohn zur Welt brachte. Sein Name war Obed.

Als Noomi ihren Enkel im Arm hielt, sagten ihre Nachbarinnen:

"Es wird dir neuen Lebensmut geben und wird im Alter für dich sorgen.
Denn es ist der Sohn deiner Schwiegertochter, die in Liebe zu dir hält."
- Rut 4, 15


Rut wurde schließlich sogar Oma von König David und damit auch eine Vorfahrin von Jesus. 


- the end -

 

 

Was nimmst Du für Dich aus der Lebensgeschichte von Noomi und Rut mit?


Lass uns daran teilhaben und uns austauschen.   :-)


Alles Liebe
Deine Mandy

 

© Foto: pixabay.com  / Creative Commons CC0

 


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Dieser Beitrag wurde am 18. Januar 2017 veröffentlicht.

5 Gedanken zu „Noomi – die Geschichte einer Flucht / Teil 2

  1. Mario

    Hallo Mandy,
    ich nehme aus dieser Geschichte mit, dass man mehr sieht, wenn man in der Liebe Gottes ist. Als Rut vom Felde Boas wiederkam, sah sie bestimmt die Veränderung in Rut ihren Augen. Und als sie hörte was Rut zu ihr sagte wusste sie, dass auch Boas sie (Rut) liebte und sagte ihr voller Überzugung: “Wenn er sich dann schlafen legt, so achte auf den Ort, wo er sich niederlegt, und geh hin und hebe die Decke zu seinen Füßen auf und lege dich dort hin; und er wird dir sagen, was du tun sollst.” (Rut 3, 4)
    Ich muss mich schon wundern, dass ich so was schreibe, als Mann und höre jetzt mal lieber auf :)

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    1. Mandy Artikelautor

      Hallo Mario.

      Ja, seltsame Story mit “leg dich mal unter seine Decke, mal gucken was passiert” – andere Zeiten, andere Kultur, andere Sitten. ;-)

      Ich wollte es erst ausführen, hab es dann doch grob zusammen gerafft: “sie heiraten” ;-)

      Das wäre nochmal ein extra Thema wert.

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  2. Racheles Welt

    Die Geschichte von Noomi und Ruth ist total cool, weil sie wirklich zeigt, wie Gott auch in Widrigkeiten versorgt. Ich nehme daraus auf jeden Fall mit, dass sich Vertrauen auf Gott auszahlt :-) liebe Grüße!

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  3. thomas

    ich darf seit 2 monaten 8 flüchtlinge aus 5 verschiedenen ländern begleiten. wir lernen deutsch,verbringen einen teil des tages zusammen. inzwischen sind vertrauen ja sogar freundschaften untereinander entstanden. wir sind in unserem glauben egal ob christ oder moslem nicht weit voneinander getrennt. diese geschichte werde ich mit in unseren alltag nehmen und sie gemeinsam versuchen zu verstehen und zu leben.
    zum schluß noch ein gebetsanliegen für zafia aus somalia. eine fleißige frau die seit 2 jahren über italien zuflucht bei uns gefunden hat. sie hat auf ihrem weg unglaubliches elend erfahren müssen und ist stark traumatisiert. nun ist sie von abschiebung bedroht. bitte betet für sie, daß geeignete mittel dagegen gefunden werden.

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    1. Anonymous

      Jesus bitte segne Zafia aus Somalia, hilf ihr, hier Heimat und deine Liebe zu finden, schenke ihr Frieden in ihrem Herzen und gebe ihr Freiheit. Lass sie bitte zur Ruhe kommen.
      Wir unterstützen auch Geflüchtete und ich merke, indem wir für sie da sind, werden wir selbst zu Gesegneten. Es gibt ja auch eine Bibelstelle, es fällt mir gerade nicht ein, wo sie steht. Aber Gott möchte, dass wir Fremden in unserem Land helfen. Und inzwischen bin ich davon überzeugt, dass Segen darauf liegt, wenn wir für sie da sind. Unsere Vorfahren sind aus Schlesien geflüchtet und haben hier eine neue Heimat gefunden. Ich gebe diesen Segen jetzt weiter, aus Dankbarkeit, dass ich in diesem Land leben darf.

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