(Vor-) Gelebte Freiheit?!

Stell Dir mal vor, der kleine Paul geht in den Kindergarten und seine Erzieherin Frau Nussbaum sagt zu den Kindern: "Heute dürft Ihr alle ein wunderschönes Bild malen!"

"Super", ruft Paul ganz aufgeregt und rennt los, um seine Buntstifte zu holen!

"Ich kann nämlich voll gut malen. Besonders gern male ich Tiger, Löwen, Boote, Züge und Feuerwehrautos!! Das wird garantiert das beste Bild der Welt!"

Aber Frau Nussbaum sagt: "Stopp! Noch geht es nicht los. Außerdem malen wir heute ein Bild mit einer Blume!"

"Schade", sagt Paul, "aber Blumen kann auch ja auch ganz gut malen!" Er legt los und malt Blumen; blaue, violette und knallig orange Blumen.

"Aber nein!", sagt Frau Nussbaum. "Ihr müsst aufpassen, dass die Farben richtig sind."

Und dann legst sie los und malt eine "richtige" Blume an die Tafel. Rote Blüten, grüner Stil, brauner Boden. Paul schaut sich Frau Nussbaums Blume an. Er mag seine Blume ja eigentlich viel lieber, aber er will keinen Fehler machen. Also dreht er sein Blatt um und malt brav eine "richtige" Blume.

Einige Tage später bringt Frau Nussbaum Ton mit. "Heute werden wir lernen, wie man modelliert!"

Paul freut sich! "Das ist total super, das macht Spaß, aus Matsche etwas zu bauen! Ich kann das, ich mache Elefanten mit Rüsseln, Schlangen, und Mäuse kann ich auch voll gut!"

"Warte bitte! Ich will euch erstmal erklären, wie das Modellieren funktioniert!"  

Also formt Paul einen Ball aus dem Ton, knetet diesen dann flach, und es entsteht ein Aschenbecher oder so was Ähnliches. "Gut gemacht!" lobt ihn seine Erzieherin

Und so lernte Paul zu warten, zuzuschauen und Dinge genauso zu machen, wie er sie gezeigt bekommt. Dann, eines Tages, zieht seine Familie in eine andere Stadt und Paul kommt in einen anderen Kindergarten. 

"Heute, liebe Kinder, werden wir zusammen malen!"

"Super!", denkt Paul und wartet drauf, dass die Erzieherin zeigt, was er denn genau malen soll.

"Möchtest Du denn nicht angangen, Paul?" fragt sie ihn, als sie bemerkt, dass er zögert. "Ich weiß nicht. Was soll ich denn malen?"

"Was immer Du möchtest!" – "Und welche Farben darf ich benutzen?"

"Am besten die Farben, die Du am liebsten magst. Wie sollte ich denn sonst auch wissen, wer von Euch welches Bild gemalt hat, wenn jeder die gleichen Farben nutzt oder das gleiche Motiv malen würde?"

"Das weiß ich auch nicht!", antwortet Paul und beginnt eine rote Blume mit einem grünen Stil und braunem Boden zu malen ….

Textinspiration: "Selig sind die Trottel!" von Frank Bonkowki – den Text habe ich umgeschrieben.


Tschja. Traurig, oder? Was ist da passiert?

Paul wurde seine Kreativität genommen! Das passiert häufiger und oft viel subtiler, als man denkt.

Ganz ähnlich ist das auch mit den Glaubens- und den Lebensansichten von uns Menschen.


Gott ist ein kreativer Designer!

Er hat uns Menschen alle gleich und doch ganz unterschiedlich geschaffen – so ähnlich wie die auch die Hunde auf diesem Bild  :-)

Er lädt uns Menschen ein, seine Schöpfung zu gestalten und sogar noch auszubauen – 1. Mose 1, 28. Er gab Adam die kreative Aufgabe all den Tieren Namen zu geben! - 1. Mose 2, 19.
 

Adam: "Ich möchte das dieses Tier hier 'Dackel' heißt!"  – Gott: "Neeee Adam, also beim besten Willen!!! DAS geht nicht! Es wird …. heißen!!!"

 
 …. wäre das Freiheit? 


Ich vermute, dass Jesus sich ziemlich oft von Menschen umringt sieht, für die andere glauben und beten. Sie hören lieber auf andere Menschen, die ihnen sagen, was richtig und was falsch ist. Aber Jesus lässt das nicht zu! Er lädt die Menschen ein, diese Welt auf kreative Art und Weise, sehr individuell, nach seinen Richtlinien zu gestalten. Nicht blind einem Schema oder Anführer zu folgen.

"Ich nenne euch nicht mehr Diener, weil ein Herr seine Diener nicht ins Vertrauen zieht. Ihr seid jetzt meine Freunde, denn ich habe euch alles gesagt, was ich von meinem Vater gehört habe." - Johannes 15, 15 NLB

In anderen Bibelübersetzungen steht statt "Diener" auch "Knecht" oder "Sklave".


Jesus beförderte seine Jünger aus diesem Dienerstand zum Freund! Das ist grandios! 

Denn ein Diener konzentriert sich hauptsächlich auf seine Aufgaben. Er hat seinen Chef und macht am besten nur das, was er von ihm aufgetragen bekommt. Was sein Chef privat für ein Typ ist, geht den Diener nichts an. Er hat einen völlig anderen Stand.

Jesus sagt: "Ihr seid nicht mehr meine Diener – Ihr seid jetzt meine Freunde!"

Damit verändert sich die Stellung total! Ein Diener erledigt seine Aufgaben, um damit seinen Lebensunterhalt zu sichern. Ein Freund ist freiwillig Freund und dient von Herzen gern, ganz ohne Zwang. Für einen Freund steht nicht der Gehorsam an erster Stelle, sondern die Beziehung – das freundschaftliche Vertrauen – untereinander! Natürlich bleibt der Gehorsam wichtig, dazu muss man nur mal die vorangegangenen Aussage von Jesus lesen: "Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage." - Johannes 15, 14 -

Wenn man das so liest, dann denkt man auch: "Na, dass ist ja ne komische Freundschaft!"? – Ich lass es mal offen und frage Dich: Wie gehen wir denn damit? Was meinst Du dazu? Ein Diener fragt: "Was soll ich als Nächstes tun?" – Ein Freund überlegt eher: "Was sagt er zu meinen Entscheidungen?"

In einer Freundschaft geht es viel mehr um den Menschen und darum, den anderen nicht zu enttäuschen. Es geht um ein gegenseitiges Kennenlernen und gemeinsame Zeit zu verbringen.

- mehr darüber, kannst Du hier lesen: Bist Du ein Diener von Jesus oder sein Freund?

 

Wenn Paul mit seinen Stiften die Wände im Kindergarten bunt angemalt hätte, dann hätte Frau Nussbaum mit Recht geschimpft! Denn das wäre eine klare Grenzüberschreitung seiner Freiheit gewesen. Ja, auch Freiheit braucht gesunde Grenzen! Das klingt erstmal widersprüchlich, schützt uns aber auch.

Natürlich darf Frau Nussbaum den Kindern auch zeigen, wie man mit Ton umgeht und daraus etwas formt. Und doch sollte die kreative Freiheit der Kinder nicht eingeschränkt werden – denn sie gehört zu einer gesunden Entwicklung dazu.


"Ihr seid berufen, liebe Freunde, in Freiheit zu leben – nicht in der Freiheit, euren sündigen Neigungen nachzugeben, sondern in der Freiheit, einander in Liebe zu dienen." – Galater 5, 13 NLB  

In diesem Sinne, Du bist frei – lebe auch so! :-)


Schönes Wochenende und fetten Segendauerregen!
Deine Mandy

 


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Dieser Beitrag wurde am 13. März 2015 veröffentlicht.

17 Gedanken zu „(Vor-) Gelebte Freiheit?!

  1. Lydia F.

    Hui, das ist echt eine wundervolle Mitteilung!

    Das Reich Gottes kann so farbenfroh und fröhlich sein. Ich bin auch immer ganz gespannt auf all das Kreative, was ich noch hier auf Erden mitgestalten kann.

    Gerade fühle ich mich außerdem an den Satz erinnert, auch wenn er nur ein bisschen etwas damit zu tun hat:

    „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

    Antoine de Saint-Exupery

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  2. Olaf

    Danke für diesen Artikel, Mandy! Ja Freiheit ist ein wichtiges gut! Ich finde es immer wieder faszinierend wie Christen in Ländern wo sie verfolgt werden für ihre Freiheit einstehen! Wir hier in Deutschland wissen eigentlich gar nicht zu schätzen was Freiheit wirklich bedeutet!!

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  3. Cornelia

    Im bezug auf paul kann ich leider nur sagen dass unsere alte kita klasse war…der jetzige ist doch eher das erste beispiel

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  4. Cornelia

    Aber ich danke dir mandy hab den vers in joh.15,15 noch nie wirklich wahrgenommen.ist super geschrieben dein artikel

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  5. Colin

    Ich muss schmunzeln, habe gerade Mandy's neuen Beitrag gesprochen und wurde erinnert an eine Begebenheit kürzlich in einer Münchner Gemeinde:

    Eine junge Lady, so etwa 13, 14, beteiligt sich recht interessiert und engagiert am Geschehen. So weit so gut. Nun zu Ihrer Mutter, Erzieherin :-) Du musst das anders machen, Du musst die Hände jetzt hochstrecken, Du musst jetzt mal Halleluja rufen, nochmal, habe es Dir schon 2 Mal gesagt, stimmt, Colin hat es beide Male gehört, Du musst Deine Hände über den Kopf heben….

    Es ging so weiter bis zum Schlußgebet. Ich habe für die junge Lady gebetet, für die Mutter, Erzieherin auch, letzteres kostete mich Überwindung, ich geb's ja zu… Für Paulchen werde ick och beten :-)

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  6. Klaus

    sehr schön ! Mandy, Du hast ein gutes Gespür um alltägliche Situationen mit den Worten der Bibel zu verbinden. Klasse ! Bei Kindern ist da ziemlich Feingefühl an den Tag zu legen und ein Vorbild zu sein. Wenn sie dann Erwachsene sind, sind sie total geprägt und finden dieses freie innere Kind nicht wieder in sich. Schade darum. Sie brauchen die Liebe Jesus Christus von Anfang an. Ihr Freund und Vorbild ! – Danke Mandy.

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  7. Nicole

    Schöne Geschichte. .. leider zu oft praktiziert.
    Ich arbeite in einer Schule für Körperbehinderte Kinder. Bei uns wird Individualität und Kreativität sehr groß geschrieben. Jedes Kind hat seine eigenen Talente… Stärken und Schwächen. … und dass ist auch gut so…. von diesen Kindern lerne ich täglich mehr über Nächstenliebe. .. dem respektvollen Umgang miteinander und dass man mit kleinen Schritten große Ziele erreichen kann. …

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  8. Kathrin

    Danke für diesen wunderschönen Artikel der wirklich zum nachdenken anregt. Manchmal habe ich das Gefühl in dieser Leistungsgesellschaft gibt es nur noch richtig und falsch. Wie gut das es bei Jesus anders ist

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  9. Rebekka

    Dies ist eine Story, die mich sehr nachdenklich stimmt.

    wenn Kinder sich nicht frei entfalten könne, dann ist es genau der falsche Weg. Und das ist nicht gut.

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  10. Gekreuz(siegt) Moderatorin - Ulrike

    Joh 15, 12 Dies ist mein Gebot: Ihr sollt einander so lieben, wie ich euch geliebt habe.

    Das ist alles was er von seinen Freunden erwartet. – Er  packt keinen Regelkatalog aus, der hintenrum doch wieder Diener aus ihnen macht. Es gibt dabei auch kein richtig oder falsch…denn mit wirklicher Liebe kann man gar keine Fehler machen.

    LG Ulli

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  11. Picant wor l d

    Tja ~ das ist das Paradoxe dieser /unserer Welt ~ leider ~ die Individualität & Kreativität eines jeden von uns gehört auch "zum Plan" & es ist schade, wenn sie "begrenzt" wird & nicht ausgelebt werden darf ~ die freie Entscheidung ist uns in die Wiege gelegt worden, damit sie eben unsere Welt bunt werden lässt :) ~ sonst wäre es ja laaaaangweilig :D

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