Die Scheuklappen des Alltags

Vor einigen Jahren…. 

Am 12. Januar 2007, um 7:54 Uhr, stellte sich ein Mann in Jeans, langärmligen T-Shirt und Basecap in eine U-Bahnstation in Washington D.C..

Dann öffnete er einen Geigenkasten, holte das Instrument heraus, warf einige Dollars und Kleingeld als Startkapital hinein und begann zu spielen.

In den nächsten 43 Minuten spielte er sechs klassische Stücke u.a. von Johann Sebastian Bach und Franz Schubert.

Während dieser Zeit kamen 1097 Personen an ihm vorbei. Hunderte von Passanten, die die Rolltreppen hoch und runterfuhren und vorbei eilten, ignorierten ihn oder nahmen ihn nur flüchtig zur Kenntnis. Einige warfen ihm eine kleine Spende in den Geigenkasten und sieben Leute blieben länger als 60 Sekunden stehen, und von diesen sieben erkannte nur einer den Musiker:

Es war der Stargeiger Joshua Bell – der im Amiland sehr bekannt ist.

In den 43 Minuten verdiente er sich insgesamt 32,17 Dollar, dass sind etwa 24,70€ (plus 20$ – ca.15,30€ – von der Person, die ihn erkannte).

Den Auftritt hat die Tageszeitung Washington Post arrangiert und nebenbei das Treiben mit Kameras festgehalten.

Drei Tage vor diesem ungewöhnlichen Experiment füllte der bekannte Geiger mit einem seiner Konzerte die "Symphony Hall" in Bosten, bei der die günstigste Karte 100 Dollar (ca. 76,90€) kostete.

Zwei Wochen danach spielte er in Bethesda (Maryland) vor einem reinen Stehplatz-Publikum. Da wussten die Leute wer er war und er nahm um die 1000 Dollar (ca. 768,90€) pro Minute ein!

 

Es lag nicht an dem Instrument. Joshua Bell spielte in der U-Bahnstation eine Stradivari, die etwa 3,5 Millionen Dollar wert ist. An der Musik lag es auch nicht, denn er spielte laut Experten "meisterhaft".

Aber kaum einer der Passanten beachtete den Musiker. Klar, links ein Schuhputzstand, rechts ein Kiosk, Leute, die Zeitungen, Zeitschriften, Schokoriegel und Lotterielose kauften – wer erwartete hier schon einen der bekanntesten klassischen Musiker? Und wer hatte überhaupt Zeit und den Kopf dafür? Für die meisten Menschen war es ein alltäglicher Arbeitstag. Sie waren in Hektik und hatten alles mögliche im Sinn, nur keine Zeit und Ruhe.

 

Joshua Bell sagte nach der Aktion:

"Wenn ich für Eintrittskartenbesitzer spiele, habe ich schon einen Wert. Da habe ich nicht das Gefühl, dass ich erst akzeptiert werden muss, denn da bin ich es bereits".

Quelle: sueddeutsche.de

 

Wie dieses Experiment ausging, ist nicht wirklich überraschend. Aber ist es richtig, dass wir so durch die Gegend – durch unseren Alltag laufen?

Wenn ich mir das mal so überlege, stelle ich mir mal phantasievoll vor, wie wir eines Tages unser Leben aus einer anderen Perspektive sehen werden. Wenn wir bei Gott sind und zurück schauen, auf unser Leben und feststellen:
 

  • Der da Geige spielte…. war Jesus.
  • Der Bettler am Straßenrand, mit den zerlumpten Klamotten…. war Jesus.
  • Die ältere Frau, die neben mir auf der Bank saß und bitterlich weinte…. war Jesus.
  • Der Freund von mir, der Hilfe brauchte, aber ich wollte nicht, weil es mir zu anstrengend war…. war Jesus.

 

Nicht dass sie wirklich Jesus waren, aber vielleicht waren es Menschen, denen wir hätten helfen sollen. So nach dem Motto in Matthäus 25, 43-45:

"Ich war ein Fremder unter euch, aber ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich war nackt, aber ihr wolltet mir nichts zum Anziehen geben. Ich war krank und im Gefängnis, aber ihr habt mich nicht besucht.' Dann werden auch sie ihn fragen: 'Herr, wann haben wir dich denn hungrig oder durstig, ohne Unterkunft, nackt, krank oder im Gefängnis gesehen und dir nicht geholfen?'

Darauf wird ihnen der König antworten: 'Lasst es euch gesagt sein: Die Hilfe, die ihr meinen geringsten Brüdern verweigert habt, die habt ihr mir verweigert.'
 
 
Es geht nicht darum, allen Bedürftigen zu helfen – das geht nicht. Aber es geht darum, die Scheuklappen im Alltag nicht zu tief ins Gesicht zu ziehen. Sich eben nicht nur um sich selbst zu drehen, sondern die Augen offen zu halten nach Menschen denen wir, nach unseren Möglichkeiten, helfen können.

 

Wenn wir Menschen lieben, die in Not sind, lieben wir Jesus!


Mach Dir mal Gedanken darüber.

Deine Mandy
Jesus Punk

 

© Foto mit der Geige: Günter Havlena / pixelio.de

 


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Dieser Beitrag wurde am 25. Oktober 2012 veröffentlicht.

Ein Gedanke zu „Die Scheuklappen des Alltags

  1. mediotutissimusibis

    Anfangs musste ich beim Lesen sehr an Jesus denken und wie er während seiner Zeit auf Erden nicht von den Menschen erkannt worde war, als der der er wirklich ist.

    Joh 1,11 “Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.”

    Dann etwas später musste ich immer an Mutter Theresa denken, die es sich bei Ihrem Missionsdienst an den ärmsten der Armen in Kalkutta/Indien zur Aufgabe gemacht hat in jedem der Armen Jesus zu sehen. Ich las über Sie, das Zeugnis einer Frau die gesagt hat, dass wen man es mit Ihr zu tun hatte Sie einem die volle Aufmerksamkeit schenkte sodass man sich in der Tat, als ein besonderer Mensch vorkam.

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