Borderline – Leben zwischen Extremen – Teil 2

Teil 1

 

Wo kommt Borderline überhaupt her?

Darüber sind sich die Forscher nicht so ganz einig. Fakt ist, dass es häufig mehrere Ursachen sind, z.B.:

  • genetische Veranlagung
  • Umwelteinflüsse
  • gestörte frühkindliche Entwicklungsprozesse
  • traumatische Erfahrungen, z.B. körperlicher oder seelischer Missbrauch

 

Die meisten Menschen, die an einer Borderline Störung leiden, haben schlimme Erlebnisse gemacht, aber nicht alle haben traumatisches erlebt.

Der Therapeut Heinz-Peter Röhr bezeichnet die negativen Gefühle wie Unzufriedenheit die Betroffene ständig verspüren können, als …

"… unbewältigte Konflikte, die an die Oberfläche drängen und Verstimmungen verursachen."

 

Und da die betroffenen Leute ihre Probleme selbst nicht bewältigen können, müssen die auf andere projiziert werden.

Andreas Knuf und Christiane Tilly, die das Buch: "Borderline: Das Selbsthilfebuch" geschrieben haben, verstehen die Borderline Störung deshalb als Bewältigungsstrategie.

 

Dies zeigt sich zum Beispiel an der Dissoziation:

Menschen, die schlimme traumatische Erfahrungen machen, haben die Fähigkeit, sich von ihrem Schmerz abzukapseln. Sie empfinden den Schmerz dann nicht mehr so stark und können sich im Nachhinein kaum noch daran erinnern. Somit wird das erlebte Trauma erträglich gemacht.

Jahre später können aber äußere Reize den traumatisierten Menschen immer wieder "zurückholen" und er hat Angst und fühlt sich so, als würde er die vergangene furchbare Sache nochmal durchleben. Der Körper rechnet mit einer Gefahrensituation.

Wenn der Ausnahmezustand normal wird, ist die Bewältigungsstrategie zur Krankheit geworden. Und dann ist es wichtig, das die betroffene Person die angelegten Verhaltensmuster lernt zu durchbrechen.

 

Menschen mit einer Borderline Erkrankung brauchen viel Verständnis für ihre Situation, für die inneren Konflikte, die sich in ihnen abspielen, die Verzweiflung darüber, dass es nicht so richtig vorwärts geht oder Beziehungen schwierig für sie sind.

Sie brauchen jedoch kein Verständnis dafür, dass sie sich selbst nicht leiden können, andere manchmal manipulieren, hassen, oder als großen Retter idealisieren, denn das ist die falsche Art, mit ihren inneren Konflikten umzugehen.

 

Die Dialektische – Bahaviorale Therapie (DBT) ist eine spezielle Borderline –  Therapie:

Dabei wird nicht nur die Lebengeschichte durchleuchtet, sondern es wird auch direkt am momentanen Verhalten der Betroffenen angesetzt. Vielleicht ist das Ziel nicht immer die komplette Heilung, sondern viel mehr sich selbst finden zu können – wissen wer man ist und was man wert ist. Sinn des ganzen ist es Selbsthilfestrategien zu entwickeln, um Probleme besser bewältigen zu können.

Es wird gelernt, wie man gelassener mit sich umgehen kann und nicht immer nur auf das Schlimme und Problematische guckt, sondern auch die Sonnenseite des Lebens genießen kann. 

 

Eine Betroffene schreibt im Internet:

"Mein größter Wunsch ist es, irgendwann mal zufrieden und glücklich mit mir selbst zu sein und auch gute Seiten an mir zu entdecken – trotz meiner Erkrankung."

 

Heute erst bekam ich eine Email von einem 13-jährigen Mädchen, sie schreibt mir:

"Meine Mutter verletzt sich selbst, seit ich denken kann. Ich weiß sie hat mich sehr lieb, aber sich selbst hat sie nicht lieb. Ich wünsche mir, dass sie sich selbst lieben kann…. Sie ist eine tolle Mutter!"

 

Zum ersten Teil dieser Blogreihe, den ich gestern schrieb, gab es viele Kommentare – vielen Dank dafür. Was ich rausgelesen habe ist, dass eine vernünftige Therapie unumgänglich ist, dass Heilung möglich ist und nicht zuletzt, dass auch Gebet eine sehr wichtige Rolle spielt:
 

Sunny schreibt:

"Ihm (Jesus) zu begegnen hat bei mir eingeschlagen wie ne Bombe und ich hab mich für's Leben entschieden, was davor so nicht der fall war. Ich kann mir auch vorstellen, dass meine "extreme Ader" – ne Eigenschaft, die man Borderlinern gerne zuschreibt – vielleicht sogar geholfen hat, mich so kompromisslos auf Jesus einzulassen… das ist doch mal ein positiver Aspekt, oder?!"

 

Natürliches ist es schwer ein so tiefgreifendes und umfangreiches Thema auf zwei, doch relativ kurze, Blogartikel zu beschränken. Ich hoffe dennoch, dass es mir gelungen ist manch einem, einen kurzen Einblick zu geben.

Wenn Ihr Euch intensiver mit dem Thema befassen möchtet, findet ihr gleich einiges an Links und Büchern dazu, die ich gern weiterempfehle. Ich habe sie selbst gelesen und fande sie hilfreich. Gerne könnt Ihr in den Kommentaren auch weitere Tipps für gute Bücher oder Links abgeben.

 

Viel Segenregen und ein glückliches Leben!

Mandy
Jesus Punk

 

Bist Du selbst erkrankt oder kennst Du jemanden bei dem "Borderline" diagnostiziert wurde?

View Results


 

Falls Die Bücher nicht angezeigt werden, liegt das an Deinem Ad Blocker.

© Text: Mit eigenen Gedanken umgeschrieben von Julia Mange (dran 3/11)
© Foto: Jürgen Acker / pixelio.de

 


Wer schreibt diesen Blog und warum? – Das erfährst Du, wenn Du HIER klickst
Kann ich Dich und Deine Blog-Arbeit unterstützen? Ja, dass ist möglich, dazu HIER klicken. Ich danke Dir von Herzen!

Dieser Beitrag wurde am 29. August 2012 veröffentlicht.

17 Gedanken zu „Borderline – Leben zwischen Extremen – Teil 2

  1. Nicole

    es gibt soviele bücher die gut sind
    aber es gibt auch einiges an Filmen die gut sind.
     
    Man sollte dazu noch sagen, das Borderliner meist nicht schuld sind das es so gekommen ist wie es kam
    und das man als Borderliner selbst manchmal einfach nur niemanden mehr nerven stören oder sonstiges will.

    Antworten
    1. Bina

      und @Nicole … ja .. das schlimme finde ich, jedenfals war es bei mir so, wenn man schon niemand mehr nerven will mit seinem "Ich" … steht man schon kurz vor der Beendigung seiner selbst … jedenfalls war da so bei mir :/

      Antworten
  2. Bina

    Auch hier … eine schöner zweiter Teil .. .wäre ja schön, wenn hier ggf. mehr Betroffenen Lust hätten mal ihre Geschichte zu erzählen …
     
    LG und noch einen schönen Tag

    Antworten
    1. Mandy Artikelautor

      So ist es… ich find's gut, dass einiges kam und hoffe das auch noch mehr Leute von sich erzählen und wie sie mit Borderline leben bzw. "geheilt" wurden.

      Antworten
      1. Simone

        Ja, ich denke auch, dass man vor allem das "Happy End" herausheben muss. Die schlimmste Belastung bei Krankheiten – ob nun körperlich oder seelisch – ist oft das Gefühl, dass es nie mehr besser und das Leben immer sinnloser wird.

        Antworten
  3. joschi

    hallo mandy,
     
    hab selber in meinem umfeld menschen welche "borderliner" anzeichen haben.
    ich denke, schuld ist evtl. auch die tatsache, dass man zuwenig miteinander kommuniziert. man schleppt manchmal über jahre hinweg probleme mit sich herum die unnötig wären oder lebt mit missverständnissen. anstatt diese zu beseitigen indem man mit den menschen spricht die einem "scheinbar" oder auch "wirklich" verletzt haben, geht man lieber zu einem psychiater. und was macht ein psychiater? ich weiss es nicht, war selber noch nie bei einem, aber ich kann mir denken, dass er beruhigungstabletten oder psychopharmaka verschreibt.
    wäre ich psychiaterin, ich würde als erstes erstaml fragen, ob konflikte nicht anderweitig gelöst werden könnten, notfalls die betroffenen (die verursacher) der probleme, auch einladen.
    ach ja, das soll es geben, kommt mir grad in den sinn. eine familie die probleme mit ihrer tochter oder umgekehrt hatten, wurden zum psychiater eingeladen und konnten dann so sich aussprechen. aber ich denke, das ist eher die ausnahme.
    en gruess aus der schweiz

    Antworten
  4. Yvonna

    Hallo, ich bin Borderlinerin. die diagnose war eine erlösung endlich wisssen was mich anders macht, wissen man ist nicht verrückt und man kann etwas machen. ich bin nun seit 2010 in therapie und gehe sehr offen mit meiner diagnose um. wenn man wirklich will, kann man vieles erreichen und schon jetzt kann ich auf das, was ich geschafft habe schauen und es erfühlt mich mit stolz und gibt mir kraft, wenn ich nicht weiter weiß. also auch wenn der weg hart und oft auch steinig ist, ist`s gut ihn zu gehen.  gruß y

    Antworten
  5. Inge

    Hallo,

    bin etwas spät dran, aber da hier nach Berichten Betroffener gefragt wird: Ich habe die Diagnose Borderline erst in relativ hohem Alter, mit 46, vor kurzem bekommen, bin aber schon seit einiger Zeit in Therapie wegen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, die hat viele Symptome mit Borderline gemeinsam.

    Was mir im Umgang mit anderen Christinnen und Christen oft zu schaffen macht ist ihre Ahnungslosigkeit bei gleichzeitigem Unglauben meinen Symptomen gegenüber. Also, ich sage jemand z.B. "ich bin psychisch krank." Dann wird mir erstmal nicht geglaubt, weil ich ein recht robustes Auftreten nach aussen habe, wenn es mir nicht sehr schlecht geht (dann werde ich überall zum heulenden Häufchen Elend). Habe ich meinen Gesprächspartner mittels Berichten von Klinikaufenthalt o.ä. überzeugt, dass ich ein ernsthaftes Problem habe, dann kann ich darüber reden. Das mache ich gerne. Aber dann bekomme ich als nächstes gutgemeinte Ratschläge, wie ich mit meinen Symptomen umgehen soll. Z.B. dass ich einfach Gott mehr vertrauen soll. Was ich schlicht nicht so gut kann, dass ich es akzeptabel finden würde. Das führt dann bei mir schnell zu Selbsthass ("Du machst nicht mal so was Einfaches wie Gott vertrauen, so machst Du Dir doch selber die Chancen für Deine Zukunft/Heilung kaputt!") und damit Selbstverletzungsdruck. Ich bin so froh, wenn ich mit Menschen reden kann, die mich fragen, was mir hilft und mir das dann auch glaube!

    Ich mache übrigens eine Schematherapie, das ist eine Methode, die noch nicht so weit verbreitet ist wie die DBT aber mindestens genauso gut helfen soll – ich finde meine Therapie jedenfalls sehr gut und hilfreich. Und: Ich kann meinen Glauben sehr gut in die Therapie integrieren. Meine Therapeutin ist Atheistin, insofern tat sich sich am Anfang schwer damit, dass ich immer angefangen habe, von Jesus zu reden, aber sie hat dann schnell verstanden, dass der Glaube eine meiner grössten Ressourcen ist. Inzwischen fragt sie öfter mal, wenn sie ein wirklich "gesundes" Statment von mir möchte, was ich denn glaube dass Jesus zur Sache sagen würde.

    Was ich schade finde: Dass ich meine Erkrankung nicht offenlegen kann. Ich bin nämlich in einer (Zweit-)Ausbildung für einen kirchlichen/seelsorgerlichen Beruf und da würde ich kaum genommen werden, wenn das bekannt wäre. Wobei natürlich wichtig ist: Sowohl meine Therapeutin als auch mein Seelsorger finden mich für diesen Beruf geeignet und finden, dass ich nicht zuletzt wegen meiner Erfahrungen eine gute Seelsorgerin werden kann. Ich denke, da gibt es bei Verantwortlichen zu viel Scheu vor psychisch Kranken. Natürlich ist nicht jede/r Betroffene für so einen Beruf geeignet, aber man könnte ja die Therapeuten/Seelsorger fragen und/oder Gutachten machen lassen. Borderline lässt sich kaum völlig heilen, aber deutlich bessern, und der pauschale Ausschluss Betroffener von Seelsorgeberufen lässt sich, finde ich, eigentlich nicht rechtfertigen.

    Inge

    Antworten
    1. Luca Hersberger

      Liebe Inge

      ich habe Deinen Beitrag auf dieser Seite vor einer Weile schon gelesen und war total ermutigt dadurch. Ich war damals noch am Schreiben – über Schematherapie und die Verbindung zum christlichen Glauben. Ich bin Arzt und Psychotherapeut und mache die Erfahrung, dass sich die Schematherapie – gerade auch für Christen – sehr gut verbinden lässt mit biblischen Wahrheiten.

      Ich wollte diese hilfreichen Einsichten auch andern zugänglich machen und hab deshalb ein Buch geschrieben, das Dich und andere hier im Forum eventuell auch interessieren könnte.

      Mehr darüber auf meiner Webseite: http://www.heilsamebeziehungen.com.

      Über Kommentare und Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen!

      Viel Segen!

      Luca

      Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.